Kommunikation und Sprache im Reich. Die Nürnberger Briefbücher im 15. Jahrhundert: Automatische Handschrifterkennung – historische und sprachwissenschaftliche Analyse

Im 15. und 16. Jahrhundert wurde Nürnberg in vielerlei Hinsicht als ein Zentrum Europas wahrgenommen. Das von der DFG geförderte Projekt „Kommunikation und Sprache im Reich. Die Nürnberger Briefbücher im 15. Jahrhundert“ geht der Bedeutung Nürnbergs in verschiedenen Bereichen auf den Grund.  

Im Spätmittelalter entwickelte sich die Reichsstadt Nürnberg zunehmend zu einer der wichtigsten Handels- und Wirtschaftsmetropolen im Heiligen Römischen Reich und war als Schauplatz vieler Hof- und Reichstage sowie als Aufbewahrungsort der Reichskleinodien ein Dreh- und Angelpunkt entscheidender politischer Entwicklungen der Zeit. Die Nürnberger Briefbücher, also eine Sammlung der Konzepte ausgehender Briefe des Kleinen Rats der Reichsstadt, werden nun im Rahmen des Forschungsprojekts für die Jahre 1408 bis 1423 ediert und untersucht. Dabei ist es für die historische Forschung besonders zentral, aus den Briefen die Kontakt- und Kommunikationspartner der Reichsstadt zu erschließen und die Bedeutung Nürnbergs für den Informationsaustausch im Heiligen Römischen Reich zu ermitteln. Darüber hinaus kann aber zum Beispiel auch die herausgehobene Stellung Nürnbergs unter den fränkischen Reichsstädten und seine Beziehung zu König Sigismund durch die Auswertung dieser Quelle neu bewertet werden. 

Dass die deutsche Sprache in geschriebener Form heute weitestgehend einheitlich ist, wird oft als selbstverständlich empfunden. Dabei ist den Wenigsten bewusst, dass sich die deutsche Standardsprache historisch aus zahlreichen unterschiedlichen Regionalsprachen entwickelte. Auf die wichtige Rolle, die Nürnberg und insbesondere die Nürnberger Kanzlei im Rahmen dieses Vereinheitlichungsprozesses spielte, wurde mehrfach aufmerksam gemacht. Nun soll die Untersuchung der Nürnberger Briefbücher zeigen, wie nah die Sprache der Nürnberger Kanzlei im 15. Jahrhundert unserer heutigen geschriebenen Sprache steht und ob Anpassungen an die regionalen Sprachunterschiede der Empfänger in den Brieftexten zu beobachten sind.  

Der Prozess der Transkription großer Quellenkorpora kann sehr zeitaufwendig und kostenintensiv sein. Für die Erschließung kann man deshalb oft mit mehreren Jahren bis zu Jahrzehnten rechnen. Zuletzt wurde die Forschung im Feld der Automatischen Handschrifterkennung (HTR) dramatisch verbessert und kann somit als sehr wertvolles Werkzeug fungierenJedoch ist hierfür eine große Menge an Trainingsdaten notwendig. Wegen dieser Limitierung wird nicht nur an einem besseren HTR-System geforscht, sondern auch an Best Practices, um schnell und kosteneffizient ausreichend Daten zu generieren und auch mit weniger Daten ein robustes System zu erstellen
Außerdem, um den Historikern einen besseren Zugriff auf die Briefbücher zu ermöglichen, wird das Adressatenverzeichnis für die vorhandenen Bände automatisch erstellt. Auch eine Schreiberidentifizierung soll im Rahmen des Projekts durchgeführt werden. 
Die entwickelten Verfahren können anschließend auf weitere Quellen angewendet werden.